DAS LANGSAME ENDE DES MAN-WERK GUSTAVSBURG

„Wir gehen auf die Klett … ” Bis in die 1970er Jahre hielt sich dieser Ausdruck aus den Anfangsjahren. Das MAN-Werk war immer ein wichtiger Motor für Gustavsburg, nicht nur in frühen Zeiten. Immer mehr Frauen arbeiteten ab den späten 1950er Jahren im Werk und gewannen so ein neues Selbstbewusstsein.

1969 führte der letzte große Protestzug mit rund 2.000 der MAN-Beschäftigten zum Verwaltungsgebäude, um die Lohnforderungen durchzusetzen.

1973 waren 4.500 Mitarbeiter bei der MAN Gustavsburg beschäftigt, das trotz seiner mittlerweile breit gefächerten Produktvielfalt, geriet das Werk immer tiefer werdende wirtschaftliche Probleme. Zunächst traf es während der Ölkrise den Brückenbau, weitere Bereiche wie Aufzugsbau und Raumfahrttechnik wurden in den 1980er ausgegliedert. 1987 verlor auch das Presswerk seine Eigenständigkeit im Konzern und wurde in die MAN Nutzfahrzeuge AG eingegliedert; nur noch 750 Mitarbeiter produzierten Fahrzeugkomponenten wie Längsträger, Feinbleche, Rahmenquerträger und Werkzeuge für MAN-Fahrzeuge und für Kunden.

2008 kam schließlich das endgültige Aus. Das Presswerk wurde von einer Tochterfirma der Hörmann-Gruppe, der Hörmann Automotive Components übernommen.

Das MAN-Werk Gustavsburg hatte aufgehört zu existieren.

Im selben Jahr 2008 feierte der Gesamtkonzern am 18. Oktober sein 250-jähriges Jubiläum, wobei er in Wirklichkeit auf das Gründungsdatum der ehemaligen Dachgesellschaft Gutehoffnungshütte Bezug nahm, die am 18. Oktober 1758 in Osterfeld gegründet worden war.

Das 150-jährige Jubiläum, das das MAN-Werk Gustavsburg ein Jahr später hätte feiern können, blieb der an diesem Ort nun nur noch existierenden Niederlassung verwehrt. Als Ersatz dafür sprang das Unternehmen Hörmann Automotive Components in die Bresche, das sich selbst als legitimer Nachfolger in der Tradition des MAN-Werks Gustavsburg sieht.

Das ehemalige Betriebsgelände befindet sich immer noch im Besitz des Gesamtkonzerns der MAN. Das Verwaltungsgebäude wird heute vom TIGZ (Technologie-, Innovations- und Gründungszentrum) genutzt und stellt Büroräume zur Verfügung.

Nach oben scrollen