MAN-WERK GUSTAVSBURG

Das MAN-Werk Gustavsburg in Mainz-Gustavsburg war eine international vorwiegend im Stahl-, Brücken- und Hochbau tätige Produktionsstätte der MAN und bis in die 1980er Jahre einer der größten Arbeitgeber im Rhein-Main-Gebiet.

GESCHICHTE

Die Anfänge des für mehr als ein Jahrhundert lang bedeutendsten Zweigwerks der Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg (M.A.N.) in Gustavsburg, kurz MAN-Werk Gustavsburg, reicht bis 1859 zurück, als die Hessische Ludwigs-Eisenbahngesellschaft mit einer Konzession des Großherzogtums Hessen eine feste Bahnverbindung von der Rhein-Main-Bahn und Mainbahn zur linksrheinischen Provinz Rheinhessen projektierte. Den linksrheinischen Bahnhof in Mainz und den rechtsrheinischen Bahnhof in Gustavsburg verband zwar bereits seit 1858 das Trajekt Mainz–Gustavsburg, aber das stetig steigende Verkehrsaufkommen machte eine feste Eisenbahnbrücke notwendig. Mit der Erstellung dieser Brücke, der Mainzer Südbrücke, über den an dieser Stelle rund 400 Meter breiten Rhein wurde die damalige Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft Nürnberg beauftragt. Das Unternehmen hatte zu dieser Zeit schon mehrere Brücken für die Bayerischen Staatseisenbahnen errichtet und galt als zuverlässig und erfahren.

Problematisch war bei diesem Projekt, dass zunächst eine beträchtliche Menge Walzeisen aus dem Saarland und vom Niederrhein nach Nürnberg hätte transportiert werden müssen, von wo anschließend die fertigen Brückenteile sozusagen zurück nach Gustavsburg zu verbringen gewesen wären. Man entschloss sich daher, zur Vornahme der Konstruktionsarbeiten nahe der Baustelle auf einer Landzunge zwischen Rhein und Main größere, aber nur provisorisch gedachte Werkstätten zu errichten.

So entstanden einfache Holzbauten zur Aufnahme von Fräs- und Bohrmaschinen, Scheren und Stanzen, dazu Schmiedeessen und Flammöfen. In einem 120 Meter langen Montierschuppen wurden die vollständigen Brückenträger fertig zusammengesetzt und danach die Nietlöcher mit kleinen, durch Druckwasser angetriebenen Bohrmaschinen hergestellt. Zudem wurden wegen der großen Entfernung zu den nächsten Ortschaften Ginsheim, Bischofsheim und dem rechts des Mains liegenden Kostheim einige Wohnhäuser (nicht zu verwechseln mit der Cramer-Klett-Siedlung, die erst ab 1896 erbaut wurde) und eine Kantine errichtet.

Nach zweijähriger Bauzeit war die vorerst nur eingleisige Mainzer Südbrücke 1862 fertiggestellt, bis 1868 wurde sie zweigleisig ausgebaut.