Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren

Interessengemeinschaft und Förderverein Cramer-Klett-Siedlung Gustavsburg e.V.

GESCHICHTE DES NEUEN GUSTAVSBURG


Die Geschichte des neuen Gustavsburg begann 1856 mit dem Bau der Eisenbahnlinie Mainz-Darmstadt-Aschaffenburg. Das Gelände der Gustavsburg erwarb die private hessische Ludwigsbahn Gesellschaft. 1858 wurde die Bahnstation Gustavsburg ihrer Bestimmung übergeben. 1860 eröffnete die Eisengießerei Klett & Co. aus Nürnberg einen Montierungsplatz für die im Bau befindliche Eisenbahnbrücke über den Rhein. Der Betrieb, der auch nach Fertigstellung der Brücke in Gustavsburg anssäsig blieb und später in der MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg) aufging, verhalf dem Ort zu einer glänzenden Entwicklung.

Im Jahre 1912 hatte das Gustavsburger MAN-Werk bereits 3.500 Mitarbeiter. Darüber hinaus fanden vielen Menschen Arbeit bei Kabel und Draht, dem heute eher bekanntem Kupferwerk und den Hafenanlagen. In Gustavsburg gab es zwar schon zahlreiche Gastwirtschaften, aber viel zu wenig Wohnungen.

Gustavsburg hatte zu dieser Zeit zwei Siedlungsschwerpunkte: nach Bischofsheim hin eine für die damalige Zeit vorbildliche Arbeitersiedlung - die Cramer-Klett-Siedlung - und nach Westen zu, also in Richtung Mainbrücke hauptsächlich (MAN-) Beamtenwohnungen.

ARBEITEN UND LEBEN

Das Leben in Gustavsburg wurde in den Jahren sehr von dem Arbeitsablauf der MAN bestimmt. Morgens die großen Gruppen der Werktätigen, die zum Werk strömten, mittags die Frauen, die ihren Männern, das Mittagsmahl brachten und abends die langen Reihen derer, die in die Siedlungen zurückkehrten.

Schwierig wurde es ab 1923, als passiver Widerstand gegen die französische Militärregierung und hohe Reparationszahlungen die Inflation in absurde Höhen trieben. Im November 1923 hatte ein MAN Arbeiter 767 Milliarden Mark Stundenlohn, aber ein Pfund Fleisch kostete  3.200 Milliarden und ein Zentner Kartoffel 50.000 Milliarden Mark. Die ersten Gustavsburger verloren in der Folgezeit vorrübergehend ihre Arbeit.
 

GUSTAVSBURGER GELD

In der Inflationszeit brachte das MAN-Werk eigene Geld-Gutscheine heraus, um der galoppierenden Inflation der 1920er Jahre zu begegnen.
 

AB 1930 GEHÖRTE GUSTAVSBURG ZU MAINZ

Nach einer Zeit der wirtschaftlichen Beruhigung musste mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 eine weitere wirtschaftliche Notlage verkraftet werden. In diesen „unsicheren" Zeiten nahm die Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg Verhandlungen mit Mainz auf, um eine Eingemeindung nach Mainz zu erreichen.

Am 1. Januar 1930 erfolgte dann die Eingemeindung beider Ortsteile nach Mainz. Beide Teile erhielten zunächst eine eigene Ortsverwaltung.

Damit wuchs die Mobilität ein wenig, denn Gustavsburg erhält neben der Bahn nun auch eine Stadtbusverbindung nach Mainz. Gleichwohl bestimmen bis weit in die 1930er Jahre hinein Pferde- und Kuhgespanne das Straßenbild.

Wer in dieser Zeit ein Fahrrad hatte, war schon „gut dabei". Autos und Motorräder hatten Seltenheitswert und waren nur ab und zu auf der Darmstädter Landstraße zu sehen.
 
 

EINWOHNERZAHLEN VON 1834 BIS 1970

1858 hatte Gustavsburg 10 Einwohner, 1896 wurden in 25 Wohngebäuden 251 Einwohner gezählt. 1901 waren es bereits 1100. Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte auch der Gustavsburger Hafen. Sein Umschlag betrug 1867 51 000t, 1901 waren es 1 140 000t. Postalisch wurde Gustavsburg von Mainz versorgt. Die Kinder besuchten die Schule in Ginsheim, die Katholiken gehörten zur Pfarrei Kostheim, die Protestanten nach Ginsheim. 1899 entstand eine evangelische Notkapelle, 1912 die Pfarrkirche. Ein katholisches Gotteshaus entstand in den Jahren 1908 bis 1928. 1908 bekam Gustavsburg ein eigenes Standesamt. Um 1900 deckte das Gustavsburger Steueraufkommen 76% des Ginsheimer Gemeindehaushaltes. Da sich Gustavsburg in zunehmenden Maße durch den Ginsheimer Gemeinderat benachteiligt fühlte, betrieb ein Bürgerverein - Gustavsburg war im Gemeinderat nicht vertreten - in den Jahren 1902/ 03 die Ausgemeindung aus Ginsheim. Die Bemühungen blieben jedoch ohne Erfolg.

Ab 1930 gehörten Ginsheim und Gustavsburg nach Mainz. Nach 1945 blieb die Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg hessisch. Es gibt eine gemeinsame Verwaltung und einen gemeinsamen Haushalt, der Verwaltungssitz ist seit 1948 in Gustavsburg. Ende März 1976 wurde der Gemeinde das Recht verliehen, ein einheitliches Wappen und eine Flagge zu führen.


Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen / Stadtsarchiv Mainz