DIE GESCHICHTE DER CRAMER-KLETT-SIEDLUNG

Die Cramer-Klett-Siedlung in Ginsheim-Gustavsburg wurde als Arbeitersiedlung zwischen 1896 und 1906 von dem Maschinenbauunternehmen MAN (damals noch „Klett & Co.“) errichtet, deren Name den MAN-Gründer THEODOR FREIHERR VON CRAMER-KLETT (1817–1884) würdigt.

Die als Gartenstadt von OBERBAURAT PROF. KARL HOFMANN (Darmstadt) konzipierte Arbeitersiedlung bietet abwechslungsreiche Architektur.

Jede Familie bekam einen eigenen Hauseingang und einen individuell gestalteten Garten. Auch unterschieden sich die Häusertypen der Eck-, Doppel- und Vier-Familienhäuser, um für eine Abwechselung in der Siedlung zu sorgen, die bis heute währt. Ihr Grundriss gleicht einem Rechteckraster, die Straßen verlaufen parallel zueinander. Während der Planungsphase rückten die am Entwurf Beteiligten jedoch von der strengen Symmetrie ab, um sich eher am Vorbild eines organisch gewachsenen Dorfes aus der vorindustriellen "heilen" Zeit zu orientieren. Die ursprünglich als gerade geplante Straße, die mitten durch die Siedlung führte, verwandelten sie in eine leicht geschwungene Straße, und der Cramer-Klett-Platz lag auch nicht mehr haargenau in der Mitte der Kolonie.

Bedingt der Beauftragung die Mainzer Sübbrücke zubauen und der daraus resultierenden Produktionserweiterung der MAN im Werk Gustavsburg, entstand ein Zustrom neuer Arbeitskräfte und hatten den Bau der Siedlung erforderlich gemacht. Das MAN Werk Gustavsburg ist ungefähr 500 Meter südlich der Cramer-Klett-Siedlung gelegen. Die im Volksmund als „Cramer“ bezeichnete Siedlung war Mittelpunkt der Gemeinde und des sozialen Lebens in Gustavsburg.

Alle Straßen innerhalb der Siedlung sind als Verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen.

Die Siedlung wird von der Robert-Koch-Straße im Norden, der Nürnberger Straße im Osten, der Dr.-Kitz-Straße nach DR. FRIEDRICH KASIMIR KITZ und der Darmstädter Landstraße im Süden umschlossen. Neben der Nürnberger Straße erinnert auch die Augsburger Straße in der Nähe an die beiden Gründungsorte der MAN.

Heute ist der größte Teil der Häuser im privaten Besitz, einige wenige Häuser werden noch von der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Mainspitze e.G. BG-MAINSPITZE.DE vermietet. Die Siedlung und die Stahlhäuser sind Bestandteil der ROUTE DER INDUSTRIEKULTUR RHEIN-MAIN.

BESCHREIBUNG

Rund um den zentralen Cramer-Klett-Platz entstanden 136 Häuser mit 148 Wohnungen, die vom OBERBAURAT PROF. KARL HOFMANN aus Darmstadt entworfen worden sind. Die unterschiedlich gestalteten Gebäude lehnen sich an den Stil englischer Land- und hessischer Bauernhäuser an. Das architektonische Kleinod sollte kleinstädtische Idylle und heimische Geborgenheit ausstrahlen. Am Cramer-Klett-Platz befindet sich die Kindertagesstätte „Kastanienburg“. Aufgrund der sozial-, bau- und stadtentwicklungsgeschichtlichen Bedeutung wurde die Siedlung 1979 als Denkmal anerkannt.

Interessant sind auch die im Nordwesten gelegenen neun MUSTERHÄUSER AUS STAHL, mit denen das MAN-Werk ab 1948 versucht hatte, einen neuen Produktionszweig aufzubauen.