BEWOHNER DER CRAMER-KLETT-SIEDLUNG BESCHLIESSEN VEREINSGRÜNDUNG


von Lilly Nielitz-Hart (MAIN-SPITZE vom 15.09.2017)

GUSTAVSBURG - Mitglieder des Fördervereins der Cramer-Klett-Siedlung in Gustavsburg und Siedlungsbewohner haben sich am Mittwochabend zusammengefunden, um über eine Vereinsgründung zu beraten – und entschieden sich letztlich dafür. „Warum ein Verein?“, begann zunächst Matthias Welniak von der InterGustavsburg (dom). essengemeinschaft die Veranstaltung. Die Cramer-Klett-Siedlung, die 1906 von der MAN als Arbeitersiedlung konzipiert wurde, besteht aus 136 Häusern mit 148 Wohnungen. Etwa ein Drittel der Häuser sind im Besitz der Baugenossenschaft Mainspitze und werden vermietet. Die meisten Häuser sind aber in der Zwischenzeit in Privatbesitz übergegangen, und auch die Baugenossenschaft ist im Begriff, Häuser zu veräußern.

Kaufverträge der Eigentümer haben viele Lücken
 


Eigentümer wie Mieter sehen sich immer wieder mit schwer durchschaubaren Verordnungen zum Denkmalschutz konfrontiert. Die Kaufverträge der Eigentümer haben viele Lücken, und es herrscht Unklarkeit darüber, inwieweit das hessische Denkmalschutzgesetz darüber hinaus greift. Bei besonderen Bauvorhaben ist jeweils ein denkmalschutzrechtlicher Bauantrag notwendig. Die Entscheidungen über einzelne Anträge beim zuständigen Denkmalamt fallen jedoch unterschiedlich aus. Die anwesenden Bewohner berichteten auch von zahlreichen Vorfällen, in denen bauliche Veränderungen ohne Genehmigung stillschweigend geduldet wurden, während in anderen Fällen Bewohner binnen bestimmer Fristen zum Rückbau gezwungen wurden.

Bisher muss sich jeder Bewohner gesondert mit den Behörden auseinandersetzen. „Aus dieser Diskussion ergibt sich doch schon, dass die Gründung eines Vereins sinnvoll ist, schon um Informationen zu bündeln“, sagte Karl-Heinz Vowinkel, der im Vorstand der Baugenossenschaft sitzt, aber nicht als ihr offizieller Vertreter kam. Eine offizielle Einladung hatte die Genossenschaft abgelehnt. Nicht alle Anwesenden stimmten dem zu, denn „Vereine erfordern einen Verwaltungsapparat und man muss sich der mehrheitlichen Entscheidung beugen“, gab einer der Bewohner zu bedenken. Dem hielt Welniak entgegen, dass in der Zukunft Situationen bevorstehen, die man eventuell nicht mehr als Einzelkämpfer lösen könne.

Nach Gesetzesänderungen zur Denkmalpflege in Hessen erhält die Siedlung momentan viel Aufmerksamkeit, und es finden häufig Begehungen statt. Bis 2018 will die Denkmalpflege der Stadtverwaltung einen Gestaltungskatalog vorlegen – allerdings ohne die Siedlungsbewohner miteinzubeziehen. Laut Welniak ist ein Gestaltungskatalog grundsätzlich keine schlechte Idee, denn dann würden Richtlinien festgelegt, die durchaus Vorteile für die Anwohner haben könnten, wie es in einer vergleichbaren Siedlung in Worms der Fall war. Um aber zu gewährleisten, dass auch die Interessen der Bewohner gewürdigt werden, sei es von Vorteil, gemeinsam als Verein aufzutreten. Der Verein könne dann auch den Dialog mit anderen Parteien wie der Baugenossenschaft und dem Denkmalschutz suchen. Bei der Abstimmung entschieden sich die Anwesenden mehrheitlich für die Vereinsgründung.

Die Vorstandsposten wurden wie folgt besetzt: Zum Vorsitzenden wurde Matthias Welniak gewählt, zum Stellvertreter Florian Forg. Schriftführerin ist Janet Fleckenstein, die Kasse betreut Nadja Bersch. Weitere Vorstandsmitglieder sind Vera Scheinhütte, Sabine Jungbluth und Klaus Kowallik.